Seit einer Ewigkeit sehnt sich der einstige Lichtbringer, Luzifer, nach einem Leben außerhalb der Finsternis. Nachdem sich Gott weigert, ihn aus seinem Höllenherrscheramt zu entlassen, macht er heimlich Urlaub auf der Erde. Als er Angelina kennenlernt, entflammt sein Herz in wilder Leidenschaft. Entgegen seiner Bestimmung, beschließt Luzifer, nie mehr ins Höllenreich zurückzukehren. Doch ist seine Liebe stark genug, um die Fesseln der Vergangenheit einzureißen?

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Tanja Kromm

Tanja Kromm
Tanja Kromm, 1986 in Sibirien geboren, absolvierte im Jahr 2012 an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg den Fachmaster in Europäischer Geschichte. Bereits während des Studiums entwickelte sie ein großes Interesse für religiöse und mystische Themen. Tanja befasste sich unter anderem mit der mittelalterlichen Dämonologie sowie Hexenverfolgung. Nebenbei schrieb sie an ihrem Debütroman „In Liebe, Luzifer“ und erfüllte sich damit einen Lebenstraum.

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Leseprobe

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1.
Der ausgebrannte Höllenherrscher

Die Jenseitsaudienz zwischen Himmel und Hölle verlief zufriedenstellend für beide Seiten. Gott hatte nichts an Luzifers Führung auszusetzen, und er war zufrieden, wenn Gott zufrieden war.
   Lediglich ein Wunsch brannte ihm seit Jahrtausenden auf der Seele. Bislang fehlte ihm allerdings der Mut, diesen Gott mitzuteilen. Nun war der Tag gekommen. Heute wollte er seinen sehnlichsten Wunsch aussprechen.
   Luzifer fiel vor Gottes Wolkenthron auf die Knie. Der grelle Weißton des göttlichen Gewands brannte in seinen Augen, die nur höllische Finsternis gewohnt waren. »Ich bitte Euch, gebt mich frei.«
   »Verstehe ich das richtig? Ich soll dich aus deinem Amt entlassen?« Gott schien verwundert über seine ungewöhnliche Bitte und strich über seinen knielangen, grauen Bart, dem Zeichen seiner unendlichen Weisheit. Er bedachte Luzifer mit einem kritischen Blick.
   »Ja. Ich bitte darum.« Luzifer hoffte auf Gottes Gnade. Der Schrei nach Erlösung und die Sehnsucht nach Freiheit waren nicht nur die stetigen Begleiter der entgleisten Seelen, die täglich in der Hölle ihre Strafe in Empfang nahmen, sondern ebenso seine. Wie die irdischen Sünder, die er als Vollstrecker der göttlichen Gerechtigkeit bestrafte, war auch Luzifer wegen Missachtung göttlicher Gesetze in der Hölle gefangen, denn es war ihm damals nicht einmal als Lichtbringer-Engel gelungen, ein gottgefälliges Leben im Himmelsreich zu führen. Er war vor Gott in Ungnade gefallen und nahm aus Reue, ohne jegliche Gegenwehr, die Bürde der Verbannung auf sich.
   Gott presste die Lippen zusammen. »Ich kann dir deine Bitte unmöglich gewähren.«
   Luzifer hatte damit gerechnet, dass es nicht einfach werden würde, Gott davon zu überzeugen, ihn freizugeben. Doch er dachte nicht daran, sich so schnell geschlagen zu geben. »Ihr werdet auf der Erde für Eure unendliche Barmherzigkeit von den Menschen geliebt und verehrt. Wie könnt Ihr, als solch gütiges Wesen, so viel Hass gegen mich hegen? Ich bereue zutiefst mein damaliges Vergehen gegen Euch. Ich hätte Euch niemals Euren Thron streitig machen dürfen. Aber dafür habe ich gebüßt. Nun ist es an der Zeit, mich von meiner Strafe als Seelenhenker zu erlösen.«
   Gott runzelte die Stirn und schwieg nachdenklich.
   »Ich bin mir bewusst, dass ich des Himmelsreichs nicht würdig bin und es nie wieder sein werde«, sagte Luzifer, der vor seinem Amtsantritt als Höllenherrscher Gottes Lieblingsengel gewesen war. »Daher nehme ich dankbar jede andere Lebensform entgegen, sei es ein menschliches, tierisches oder jenseitiges Leben.«
   »Du irrst dich, Luzifer. Ich hege keinen Hass gegen dich. Im Gegenteil. Ich brauche dich mehr als jeden anderen Engel in meinem Reich.«
   Luzifer horchte auf. Es überraschte ihn, das zu hören. Gott hatte ihm stets das Gefühl gegeben, ein minderwertiges Lebewesen zu sein, das nur durch eisernen Gehorsam eines Tages Läuterung erlangen könnte.
   »Ich habe lange nach jemandem wie dir gesucht. Damals unterzog ich meine Engel einer Treueprüfung. Sie haben alle bestanden. Keiner von ihnen wagte es, sich über mich zu erheben. Doch du warst anders als die anderen. Du hattest deinen eigenen Willen, unabhängig davon, welche Anforderungen ich an dich gestellt habe. Du warst von Anfang an zu Höherem bestimmt. Es geschieht nur ein einziges Mal in Billionen Jahren, dass jemand wie du das Tageslicht erblickt.« Gottes Augen begannen zu leuchten.
   »Ich verstehe nicht …«
   »Hast du dich niemals gefragt, warum die Hölle bereits vor deiner Geburt erschaffen wurde, als hätte sie nur darauf gewartet, jemanden wie dich als ihren König in Empfang zu nehmen?«
   Luzifer schüttelte den Kopf. Er konnte ihm beim besten Willen nicht folgen.
   »Warum habt Ihr diesen grausamen Ort erschaffen? Dort gibt es nur Leid und ewige Verdammnis. Hätte nicht alles viel besser ohne sie und mich sein können?«
   »Ich bin zwar allwissend, aber nicht allmächtig. Die Schöpfung von Gut und Böse unterliegt einer Willkür, der selbst ich nicht Herr werden kann. Ich vermag nicht, die Menschen von ihren verdorbenen Eigenschaften zu befreien. Sogar du als ehemaliger Lichtbringer, bist einst dem Hochmut und Neid verfallen. Deswegen schuf ich die Hölle und erwählte einen Herrscher, der die gleichen Laster trägt wie die irdischen Sünder. Von all meinen Engeln hattest du die besten Voraussetzungen zum Höllenherrscher.«
   Luzifer fehlten die Worte.
   »Verstehst du jetzt, warum ich dich nicht freigeben kann? Ohne das Böse existiert das Gute nicht. Beides ist tief im menschlichen Leben verwurzelt. Deshalb brauche ich dich. Die Menschen müssen das Böse fürchten, um das Gute, und somit mich, zu ehren. Das ist der einzige Weg, die Ordnung auf der Erde zu bewahren«, sagte Gott mit ernster Miene, während er seine Hände faltete.
   Seufzend richtete sich Luzifer von dem Wolkenboden auf. »Das leuchtet mir ein. Aber ich kenne jemanden, der einen würdigen Nachfolger abgeben würde …«
   »Niemand hat deine Eigenschaften und deinen Erfahrungsschatz. Ich kann nicht auf dich verzichten«, fiel Gott ihm mit lauter Stimme ins Wort und umklammerte die Armlehnen seines Throns. »Außerdem ist es deine Bestimmung, in der Verbannung zu leben. Ich möchte dich daran erinnern, dass du damals eine schwere Sünde begangen hast. Du wolltest mir den Thron entreißen. Vergiss das nicht. Du kannst dich nur von ihr reinwaschen, indem du mir bedingungslos gehorchst.«
   »Ich bin zwar der Teufel, aber vereinen sich nicht auch in mir Gut und Böse, wenn ich vor langer Zeit als Engel dem Himmel dienen durfte?«
   »Dem ist so.«
   »Ist es dann nicht ungerecht, mich für alle Ewigkeit in der Hölle büßen zu lassen? Ich bestreite nicht, dass ich es nicht verdient habe, verbannt zu werden. Aber verdiene ich es nicht genauso, wegen meiner positiven Eigenschaften, nach einer halben Ewigkeit in der Finsternis freigelassen zu werden?« Luzifers Herz ließ nicht von der Hoffnung ab. Es lechzte und schrie nach Selbstbestimmung.
   Gott beugte sich leicht vor.
   »Abgesehen davon, dass es kein Sünder verdient, aus der Hölle freigelassen zu werden, musst auch du – wie mein Sohn Jesus – Opfer für die Menschheit bringen.«
   Plötzlich erhöhte sich Luzifers Körpertemperatur. Er konnte förmlich spüren, wie ihm die Wut aus den Ohren pfiff. »Dein verdammter Sohn ist nur ein einziges Mal am Kreuz gestorben. Ich sterbe täglich mit all den verdammten Seelen, die ich in der Hölle für dich rösten muss. Glaubst du, dass ich es toll finde, ständig von qualvollen Schreien umgeben zu sein? Denkst du, es macht mir Spaß, deine missratenen Geschöpfe zu braten? Lieber würde ich mich hundert–, nein tausendmal ans Kreuz nageln lassen, als für alle Ewigkeit ein Seelenhenker zu sein«, rief Luzifer sich den Frust von der Seele. Zitternd, mit geballten Fäusten stand er Gott gegenüber. Aber der Verstand hielt ihn davon ab, ihn zu attackieren.
   Mit heruntergezogenen Augenbrauen erhob sich Gott von seinem Wolkenthron. »Du wagst es, in diesem Ton mit mir zu sprechen?«, hallte es durch den Himmel. Mit einem derartigen Wutausbruch hatte wohl selbst er nicht gerechnet.
   »Ich will nicht länger der Sündenbock sein, der dein Heiliges Reich auf seinen Schultern trägt. Das habe ich viel zu lang getan.«
   »Genug«, stieß Gott hervor und hob seine rechte Hand.

*

Mit einem Satz sprang Balthasar zur Seite, als sein König plötzlich neben dem steinigen Thron aufstöhnte. Fluchend fasste er sich an den Kopf.
   »Ihr müsst wohl bei Gott gewesen sein. Nur er befördert Euch immer so unsanft in Euer Reich zurück.« Er half dem Höllenherrscher auf die Beine und bückte sich, um ihm den Ruß von den Knien abzuklopfen. Dabei fielen Balthasar zwei blau- und rot karierte Narrenzipfel ins Gesicht, an deren Enden kleine Glöckchen befestigt waren.
   »Dieser alte Griesgram«, schimpfte der Teufel.
   »Oh, ich vergaß. Heute fand die Jenseitsaudienz statt. War Gott unzufrieden mit Euren Röstmethoden?«
   »Nein, das nicht … Ich bat ihn, mein Amt niederlegen zu dürfen.«
   »Aber König, wer soll die Sünder grillen, wenn nicht Ihr? Um keinen Preis der Welt wird Gott Euch freigeben. Er weiß, wie schwer es ist, einen auch nur ansatzweise verlässlichen Höllenherrscher zu finden.«
   Im Gegensatz zu dem Teufel empfand es Balthasar als besonderes Privileg, der Hölle und vor allem ihm dienen zu dürfen. Sein vorheriges Leben auf der Erde war im Schatten ständiger Angst vor Gewalt und Demütigung verlaufen.
   Es war nicht einfach, für einen zu klein geratenen Mann mit Anomalien im Gesicht in der mittelalterlichen Gesellschaft zu überleben. Dabei hatte sich Balthasar nichts sehnlicher gewünscht, als bei den anderen Anschluss zu finden. Wo auch immer er hingegangen war, er wurde stets verspottet und aufs Übelste beschimpft. Alle sahen in ihm eine Missgeburt, die von Gott mit ihrem schrecklichen Aussehen bestraft wurde.
   Eines Tages glaubte Balthasar tatsächlich, dass er ein missgebildetes Monster sei. Immerzu fragte er sich, für welche Sünde Gott ihm diese harte Strafe auferlegt hatte. Ihm fiel keine plausible Antwort darauf ein.
   Die zufällige Begegnung mit dem Teufel war das Beste, was ihm passieren konnte. Niemals würde er jenen Tag vergessen, an dem er auf den Höllenherrscher traf. Eines Abends hielt Balthasar den Hunger nicht mehr aus und stahl einem gut situierten Bauern einen halb verrotten Apfel von seinem riesigen Obstberg. Der Bauernsohn rannte ihm hinterher und erwischte ihn in einer verlassenen Gasse beim Herunterschlingen der dreckigen Frucht. Fluchend zog er sein Messer hervor, um Balthasar die Finger abzuschneiden.
   Rein zufällig befand sich auch der Teufel, der eine Mission zu erfüllen hatte, in derselben Gasse. Wie Balthasars persönlicher Schutzengel bäumte er sich vor dem Bauernsohn auf und schleuderte ihn in eine Ecke. Als er merkte, dass er es mit einem übersinnlichen Wesen zu tun hatte, rannte er davon.
   Jedoch hatte Balthasar überhaupt keine Angst vor ihm, im Gegenteil. Die düstere Anmut seines rot glühenden Retters trieb ihm die Tränen in die Augen. Er vergötterte den gehörnten Riesen von dem Augenblick an, als er ihn zum ersten Mal sah.
   Balthasar kroch zu den Füßen des Höllenherrschers und küsste seine glühenden Fußkrallen, die schwarze Brandmale auf seinen Lippen hinterließen. Er flehte ihn an, in seine Dienste treten zu dürfen. Der Teufel richtete Balthasar auf, um ihn zu mustern. Er musste wohl seine aufopfernde und treuherzige Natur erkannt haben. Mit ernster Miene hatte er ihm befohlen, ihm zu folgen.
   Seitdem wich Balthasar nicht von seiner Seite.
   Obwohl er ein Untergebener des Teufels war, stellte die Hölle für ihn keinen Ort der Dienerschaft dar. Sie war mittlerweile sein Zuhause und der Teufel sein engster Vertrauter.
   »Ich wollte dich als Nachfolger vorschlagen. Aber ich kam nicht dazu. Gott hat mich nicht einmal aussprechen lassen«, beschwerte sich der Höllenherrscher und sank auf seinen Thron nieder.
   Balthasar fühlte sich geschmeichelt. Er hatte jedoch Verständnis für Gottes Reaktion. »Ich fühle mich geehrt, Eure Majestät. Nichtsdestotrotz kann ich Gottes Entscheidung gut nachvollziehen. Die Hölle braucht Euch. Was habt Ihr Euch bloß dabei gedacht? Ich glaube, Ihr leidet an einem typischen Burn-out-Syndrom.«
   Obwohl er und der Teufel ihr Dasein in der Hölle fristeten, war das Burn-out-Syndrom beiden ein Begriff. Viele Seelen, die vor dem göttlichen Gericht zu Höllenqualen verurteilt wurden, hatten zu ihren Lebzeiten daran gelitten. Oft klagten sie wehleidig über die hohen Anforderungen im Berufsleben, die sie entweder zum Suizid oder zum Mord an den Mitmenschen verleitetet hätten.
   Der Teufel lehnte seinen rechten Arm auf die steinige Lehne seines Throns und ließ seinen Kopf in die Handfläche sinken. »Vermutlich hast du recht. Ich fühle mich in letzter Zeit ausgebrannt.«
   Vor Balthasar saß ein abgespannter, trauriger Teufel, der nach Leben und Selbstbestimmung dürstete. Ein Blick in seine müden Augen verriet, dass er es satthatte, durch die Fremdbestimmung Gottes eingezwängt zu werden.
   Plötzlich sprang er wie von einer Biene gestochen auf. »Aber natürlich, das ist es. Ich mache Urlaub auf der Erde«, stieß er mit geweiteten Augen hervor.
   »Oje, oje, oje. Was ist Euch denn jetzt schon wieder in den Sinn gekommen?« Balthasar hoffte, dass sein König keine voreiligen Entscheidungen in dieser kritischen Phase treffen würde.
   »Ich mische mich heimlich unter die Menschen. Gott wird nichts davon erfahren.« Die Augen des Teufels glühten vor Freude.
   »A-A-Aber w-wer soll Euch hier in der Hölle vertreten, Eure Hoheit? Ihr könnt nicht einfach verschwinden.«
   »Du wirst mich vertreten.«
   »Ich weiß nicht, ob ich dazu in der Lage bin.«
   »Du hast mehr Verstand, als jeder andere hier unten. Außerdem hast du mir all die Jahre treu zur Seite gestanden. Niemand kennt meine Tätigkeit besser als du. Du wirst das schon schaffen«, sprach sein Meister ihm Mut zu und ging zu seinem Kamin, den er als Tor zur Erde nutzte. »Falls du Schwierigkeiten bekommen solltest, weißt du ja, wie du mich findest.« Er zeigte mit dem Finger auf einen großen, blitzenden Höllenkristall, über den Balthasar ihn jederzeit orten konnte.
   »Machs gut«, verabschiedete sich der Höllenherrscher und schritt geradewegs durch das lodernde Kaminfeuer.
   Balthasars Begeisterung hielt sich in Grenzen. »S-S-Sicher, erholt Euch, König.«
   Balthasar seufzte schwer. »Ach ja …, die Sehnsucht nach Erfüllung ist ein gefährliches Feuer, das den Geist in Flammen setzt und ihn langsam von innen verzehrt, wenn sie nicht gestillt wird«, flüsterte er vor sich hin und hoffte im Stillen, dass der Teufel nach seinem Kurzurlaub auf der Erde wieder zur Besinnung kommen würde.

*

Mitten in der Nacht stieg Luzifer aus den Flammen eines brennenden Pkws hervor und vernahm die Schreie einer jungen Frau, die von einem Obdachlosen in einer dunklen, feuchten Seitengasse ausgeraubt wurde. Er ging auf ihn zu und hob ihn mit einer Hand am Kragen in die Luft. Er war sich bewusst, dass die riesigen Hörner, die spitzen Zähne und die leuchtend roten Augen äußerst Furcht einflößend auf die Menschen wirkten. »Lauf nach Hause«, sagte er mit ruhiger Stimme zu der jungen Frau, die sogleich wie am Spieß schreiend die Flucht ergriff.
   Danach wandte er sich dem Obdachlosen zu.
   »Bitte töte mich nicht«, winselte der Mann.
   »Keine Sorge, deine Zeit ist noch nicht gekommen. Du darfst an einem sehr heißen Ort Urlaub machen und über deine Sünden nachdenken. Lass dir das eine Lehre sein.« Mit einer Kopfnuss beförderte er die Seele des Obdachlosen in sein Höllenreich, um sich seine menschliche Gestalt zu borgen.
   Lang war es her, seit er zum letzten Mal in einem menschlichen Körper gesteckt hatte. Luzifer musterte seine Hände. Er geisterte zwar ab und zu auf der Erde umher, um einige Aufträge für Gott auszuführen, jedoch bedurfte es dafür keines menschlichen Körpers.
   Er hatte sich lediglich im Mittelalter aus purer Neugier die Gestalt eines jungen Geistlichen namens Hermann geborgt. Für einen Tag wollte er sich wie ein Mensch fühlen. Dummerweise haben ihn fromme Kirchenanhänger beim Verlassen des Körpers gesichtet. Hermann musste eine gerichtlich angeordnete Folter über sich ergehen lassen, um zu beweisen, dass er nicht im Bunde mit dem Teufel stand.
   Letztendlich gab Hermann nach. Unter Schmerzen gestand er alles, was seine Peiniger von ihm hören wollten, was sein Todesurteil besiegelte. Doch aufgrund seiner Kontakte zu einem einflussreichen Papst entging Hermann der Todesstrafe. Der Papst nahm ihn in seine Obhut und ließ unzählige Exorzismen an ihm durchführen, die mit Gewalt und Folter verbunden waren. Er überstand alle Erniedrigungen und Demütigungen und erhielt die Freiheit.
   Luzifer war entsetzt über den brutalen Umgang der Kirche mit ihren Angehörigen. Der Geistliche war noch jung und hatte im Gegensatz zu vielen anderen Kirchenanhängern seine blütenreine Weste vor der alltäglichen Niedertracht bewahrt. Dies würde sich nach seiner Freilassung jedoch ändern, da er Nacht für Nacht Rache schwor.
   Luzifer entschied, Hermann einen Gefallen zu tun, bevor er seine unschuldige, gebrochene Seele mit unnötiger Vergeltung beschmutzte und infolge dessen in der Hölle landete. Über Nacht verfasste er den sogenannten Codex Gigas, die Teufelsbibel und steckte Hermann das dicke Buch zu, was zu seiner Hinrichtung führte.
   Nach seinem Tod war der innigste Wunsch des gequälten Geistlichen in Erfüllung gegangen. Er kam in den Himmel. Das Umfeld, in dem Hermann gelebt hatte, hätte ihn ohnehin nur verdorben. Dessen war sich Luzifer sicher. Kreuzzüge, Inquisition, Ablasshandel, unzählige Lügen, Heuchelei und Gewalt im Namen Gottes standen in der mittelalterlichen Kirche an der Tagesordnung.
   Hoffentlich würde ihm der jetzige Kurzurlaub weniger Probleme bereiten. Er wollte ein paar schöne Erinnerungen mitnehmen, damit die Unendlichkeit im Höllenreich erträglicher wurde.
   »Nun such ich mir einen schönen Schlafplatz.« Er rückte seine zerrissene Jacke zurecht, wischte sich mit dem Ärmel das Blut von der Stirn und ging in die beleuchtete Innenstadt.

2.
Der Teufel macht Urlaub

Auf seiner Suche nach einem Schlafplatz begegnete Luzifer einem Obdachlosen, der im Abfalleimer nach etwas Essbarem wühlte. Er beschloss, ihn nach einer bequemen Unterkunft zu fragen und begann das Gespräch mit einem Gruß. Gesten der Höflichkeit erleichterten einem bekanntlich die Konversation im Alltag.
   »Verzeihen Sie bitte, wenn ich Sie bei Ihren nächtlichen Aktivitäten störe. Würden Sie mir freundlicherweise ein Zimmer hier in der Nähe empfehlen?«
   Der Obdachlose streckte seinen Kopf aus der Mülltonne.
   »Na schau einer an. Du bist doch der blöde Penner, der mir vor Kurzem das Wasser geklaut hat. Ich sollte dir dafür in deinen miesen Arsch treten, du Sauhund!«
   Luzifer war überrascht über den groben Tonfall, den er bislang nur von den hässlichsten Höllenwesen gewohnt war. »Ich bitte Sie vielmals um Entschuldigung, wenn ich Sie in irgendeiner Weise verärgert haben sollte. Ich stand wohl etwas neben mir. Ich wäre Ihnen dennoch sehr verbunden, wenn Sie mir einen Schlafplatz empfehlen würden.«
   »Du meine Güte. So geschwollen, wie du daherredest, möchte man meinen, dass dir jemand eine ordentliche Tracht Prügel verpasst hat. Das geschieht dir recht.« Der Mann lachte schadenfroh. »Auf der Straße kannst du pennen, wie immer. Oder ist dir das auf einmal nicht mehr gut genug?«
   Luzifer kam sich veräppelt vor. »Aber wer schläft heutzutage noch auf der Straße? Ich bevorzuge ein warmes Zimmer mit einem gemütlichen Bett.«
   »Ach so, verstehe. Monsieur de Pénère möchte also ein bequemes Zimmer. Warum gehst du dann nicht in dieses erstklassige Hotel, in dem man dir sogar den Hintern abwischt, wenn du genug Geld dafür hast?« Der Obdachlose zeigte auf das beleuchtete, luxuriöse Hotel namens El Palazzo, das sich auf der gegenüberliegenden Straßenseite befand. »Ist das vielleicht eher nach Ihrem Geschmack, Monsieur de Pénère?«, fragte er mit verrauchter, krächzender Stimme.
   Luzifer drehte sich um und betrachtete das imposante Gebäude. Es gefiel ihm. »Vielen Dank. Einen schönen Abend wünsche ich Ihnen noch.« Pfeifend ging er zum Eingang.
   »Tsss … Was für ein Vollidiot …«
   Einen Moment verharrte Luzifer vor dem Nobelhotel. Es war ein hohes, bewundernswertes architektonisches Bauwerk, das den Fortschritt und die Größe des Zeitgeists widerspiegelte.
   Die bunte Beleuchtung war faszinierend. Aus der Vogelperspektive musste die Lichtfassade New Yorks atemberaubend sein.
   Die Schiebetüren öffneten sich wie durch Zauberhand. Luzifer ging hinein. An der Rezeption saßen drei junge, attraktive Frauen. Eine von ihnen musterte ihn mit hochgezogenen Augenbrauen von oben nach unten. »Kann ich Ihnen helfen?«
   Luzifer verbeugte sich. »Guten Abend, die Damen. Ich möchte ein Zimmer in dieser prächtigen Residenz mieten.«
   Die Rezeptionistin kräuselte die Lippen und blickte auf seine zerrissene Jacke. »Wir vermieten keine gewöhnlichen Hotelzimmer. Unsere Gäste bevorzugen Suiten. Die Räumlichkeiten verfügen über einen separaten Schlaf- sowie Küchenbereich und kosten fünfhundert Dollar pro Nacht.« Seine zerlumpte äußere Erscheinung gab ihr wohl Anlass zu glauben, dass er sich das nicht leisten konnte.
   Luzifer griff in seine Hosentasche und legte ihr eine Zehndollarbanknote auf den Tresen. Der Schein stammte von dem Mann, in dessen Körper er steckte.
   »Dachte ich es mir doch. Wo ist das Wachpersonal, wenn man es braucht? Nie sind sie da, wo sie sein sollten, faules Pack! Wenn das der Hotelbesitzer erfährt …« Wütend griff die Rezeptionistin zu dem Telefon und wählte eine Nummer. »Habt ihr euch wieder zum Pokern ins Hinterzimmer verkrochen? Ich möchte, dass ihr euch unverzüglich zum Eingang begebt.« Sie warf den Hörer hin.
   »Hier liegt offensichtlich ein Missverständnis vor«, wandte Luzifer ein. »Ich bin wohlhabend.«
   Er griff mit beiden Händen in seine Hosentaschen und holte weitere Zehndollarscheine aus ihnen hervor, bis ein Berg davon vor ihr lag.
   »Wir akzeptieren auch Kartenzahlungen, wenn Ihnen das lieber ist.« Sie runzelte die Stirn. Anscheinend wusste sie nicht, ob sie Luzifer wie einen streunenden Hund vor die Tür setzen oder ihm eine Suite vermieten sollte.
   »Nein, ich zahle am liebsten mit Geldscheinen.« Er lächelte und legte weitere Zehndollarscheine auf den Tresen. »Eine Suite für einen Monat, bitte.«
   Die Rezeptionistin verdrehte ihre Augen. »Wann kommen endlich die Moderatoren mit der versteckten Kamera raus, um mir zu sagen, dass ich heimlich gefilmt und auf den Arm genommen werde«, murmelte sie vor sich hin.
   »Wie viel macht das?«, wollte Luzifer wissen.
   »Mit dem Monatsrabatt sind es vierzehntausend Dollar. Möchten Sie den gesamten Betrag ernsthaft in Zehndollarscheinen entrichten?«
   Luzifer hielt inne. Ihr irritierter Blick gab ihm zu verstehen, dass seine Zahlungsmethode ungewöhnlich war. Zur selben Zeit beglich neben ihm ein Mann im Anzug seine Rechnung mit einer Fünfhundertdollarbanknote. Luzifer betrachtete den Schein. Nun brauchte er bloß an ihn zu denken, und schon befand er sich in seiner Hosentasche. »Aber selbstverständlich nicht.« Er holte eine Handvoll zerknickter Fünfhundertdollarscheine hervor.
   Als die Rezeptionistin das viele Geld vor sich liegen sah, schickte sie das Wachpersonal, das drauf und dran war, ihn vor die Tür zu setzen, wieder ins Hinterzimmer.
   Luzifer zählte die Scheine. »Hier sind siebzehntausend Dollar. Behalten Sie den Rest und kaufen Sie sich davon etwas Schönes.«
   Ein Grinsen fuhr ihr ins Gesicht. »Vielen Dank. Wie lautet Ihr Name?« Auf einmal wirkte die Rezeptionistin freundlich und offen.
   Mit dem üppigen Trinkgeld hatte er sich wohl soeben ein Stück Sympathie erkauft. Darüber hatte er sich bislang noch keine Gedanken gemacht. Er wusste um seinen schlechten Ruf auf der Erde. Deshalb hielt er es für unklug, ihr seinen wahren Namen zu verraten. »Nennen Sie mich Monsieur de Pénère.« Das war der einzige Name, der ihm auf die Schnelle einfiel.
   Sofort notierte sie sich seinen Namen und rief einen Pagen, der ihn in sein Zimmer führen sollte.
   »Ihr Hotel wurde mir wärmstens von einem freundlichen Mann empfohlen«, sagte Luzifer. »Er meinte, man würde mir hier sogar den Hintern abwischen, wenn ich genug Geld dafür hätte … Allerdings möchte ich diese Dienste nicht in Anspruch nehmen. Ich wünsche Ihnen eine erholsame Nacht.« Er verbeugte sich und folgte dem Pagen in den Fahrstuhl.

*

Amanda traute ihren Ohren nicht. Meinte er das ernst? Was sollte sie darauf antworten? Zum Glück war eine Antwort nicht nötig. Der seltsame Gast drehte sich nicht mehr um.
   »Hey Amanda, was ist mit dir? Du guckst, als hättest du einen Geist gesehen, und was macht der Geldhaufen auf dem Tresen?«, wunderte sich ihre Kollegin Jessy.
   »Hast du den Mann gesehen, der gerade in den Fahrstuhl gestiegen ist?«
   »Du meinst den, der wie ein Obdachloser aussah?«
   »Ja, den meine ich.«
   »Warum hast du ihn nicht rausschmeißen lassen?«
   »Er sieht zwar zerlumpt aus, aber er hat Geld wie Heu«, flüsterte Amanda und schob die Fünfhundertdollarscheine in ein Cashtester-Gerät, das in Sekundenschnelle die Banknoten auf ihre Echtheit überprüfte.
   Jessy sank in ihren Stuhl. »Und? Hat er mit Blüten bezahlt?«
   Amanda schüttelte den Kopf. Sie rieb sich die Hände und steckte das Trinkgeld ein »Das war mit Abstand der merkwürdigste Gast, dem ich je begegnet bin. Ich möchte nicht wissen, wo er die Scheine hergeholt hat, die unmöglich in seine Hosentaschen gepasst haben können. Aber ich mag ihn trotzdem.«

*

Luzifer gefiel die moderne Inneneinrichtung der Suite. Die originelle Schwarz-Weiß-Grau-Farbkombination verlieh der Räumlichkeit Eleganz und Extravaganz.
   Die unterschiedlichen Anthrazitnuancen erinnerten ihn an die Ruß- und Aschenberge, von denen es reichlich in seinem Höllenreich gab. Die neue Umgebung wirkte vertraut und einladend.
   Dem Eingangsbereich angeschlossen war eine kleine Garderobe mit einem Flur, der ins Wohnzimmer führte. Auf den grauweiß marmorierten Bodenfliesen lag ein edler Glanz, der das Gefühl von steriler Reinlichkeit vermittelte. Die Wände waren auf die schwarz-weiße Couchgarnitur abgestimmt.
   Über dem Sofa hing ein großes Gemälde. Darauf war eine aufblühende, leuchtend rote Rose abgebildet. Glänzende Tautropfen schimmerten wie Diamanten auf ihrer Blütenpracht.
   Am meisten freute er sich über den Kamin. Er betrachtete ihn aus der Nähe.
   »Möchten Sie, dass ich den Kamin anzünde?«, fragte der Page.
   »Wie praktisch«, sagte Luzifer, während er seine Handfläche über das raue, schwarze Gestein gleiten ließ. Er hatte die Möglichkeit, jederzeit bequem von seinem Zimmer aus in die Hölle zu wechseln. »Ja, ich bitte darum. Dann fühle ich mich gleich wie zu Hause. Ich besitze nämlich genau sechshundertsechsundsechzig Kamine, die rund um die Uhr geheizt werden.«
   Der Page runzelte die Stirn und betrachtete ihn aus den Augenwinkeln. »In dem Fall muss es wohl sehr warm bei Ihnen sein«, kommentierte er Luzifers Äußerung, obwohl er ihm nicht zu glauben schien. Nachdem der Page ein kleines Feuer im Kamin entfacht hatte, machte er ihn auf den Whirlpool im Badezimmer aufmerksam. »Möchten Sie ihn heute noch nutzen?«
   Luzifer setzte sich auf die weiche Couchgarnitur. Wie ein kleiner Junge wippte er auf dem Polster auf und ab. »Nein, danke.« Er hatte keine Ahnung, wovon der Page sprach.
   »Kann ich sonst noch etwas für Sie tun?«
   »Nein. Ich bin rundum zufrieden.«
   »Wenn Sie einen weiteren Wunsch haben sollten, bitte scheuen Sie sich nicht, ihn uns über das Gästetelefon mitzuteilen. Es befindet sich gleich hier drüben.« Der Page wies auf den Nachttisch. Mit einem kurzen Nicken verabschiedete er sich und verließ die Suite.
   Obwohl Luzifer vor Erschöpfung gähnte, erkundete er seine neue Umgebung. Wie die Rezeptionistin bereits erwähnt hatte, befanden sich Schlafzimmer und Küche in separaten Räumlichkeiten, die mit eleganten, schwarzen Raumteiler-Schiebetüren voneinander abgetrennt waren.
   »Donnerwetter«, stieß er beim Abtasten einer opalweißen Schale hervor. Ihre Oberfläche fühlte sich kalt und glatt an.
   Anscheinend bestanden die modernen Nachttöpfe aus hochwertigem, verziertem Glas. Viel Aufwand für ein Gefäß, das nur für die Verrichtung der Notdurft genutzt wurde. Er stellte die Glasschale wieder auf ihren Platz.
   Luzifer rieb sich die Augen. Warum musste der menschliche Körper nur so anfällig für Müdigkeit sein?
   Trotz seiner Erschöpfung betrachtete er die Badezimmerausstattung und sank ins weiche Bett, das einen traumhaften Liegekomfort bot.

*

In den kommenden Tagen genoss Luzifer in vollen Zügen das Leben in New York. Er tat alles, was ihm in der Hölle verwehrt geblieben war. Er ging ins Hallenbad, aß in den besten Restaurants der Stadt und entdeckte seine Leidenschaft fürs Bungee-Jumping.
   Heute stand der Besuch eines Vergnügungsparks auf seinem Plan. Er war neugierig auf das berühmte Teufelsrad, das manch verdorbene Seele zu ihm in die Hölle befördert hatte.
   Als er dort ankam, erkannte er es bereits aus der Ferne. Es war wegen seiner immensen Größe und nicht zuletzt wegen der grässlichen Teufelsfratzenbemalung kaum zu übersehen.
   Das Porträt war eine Beleidigung. Es zeigte eine gehörnte, zähnefletschende Bestie. Luzifer war zwar kein Schönling. Aber so schrecklich sah er nun auch wieder nicht aus.
   Er stieg in eine illuminierte Gondel ein. Während sie langsam ihre Kreise drehte, betrachtete er die von der Elektrizität belebte Stadt aus der Vogelperspektive.
   Als das Rad innehielt, kamen ihm viele Fragen. Was wäre wohl geschehen, wenn er als Mensch das Tageslicht erblickt hätte? Würde er ein gottgefälliges Leben auf der Erde führen?
   »Vermutlich wäre ich sowieso in der Hölle gelandet. Das ist nun mal mein Schicksal. Ich werde niemals gut genug für den Himmel sein.«
   Als er wieder festen Boden unter den Füßen hatte, ging er zur Achterbahn. Sie war jetzt genau das Richtige. Der Adrenalinkick ließ ihn für einen Moment jegliche negativen Emotionen vergessen.
   Er beschloss, die Geisterbahn auszuprobieren. Wie sich herausstellen sollte, war das keine gute Idee. Das plötzliche Auftauchen skurriler Geistergestalten in den abgedunkelten Räumen hatte nur dazu geführt, dass er die verkleideten Angestellten vor Schreck umhaute oder sich brüllend in seiner wahren Gestalt zeigte, woraufhin alle um ihn herum die Flucht ergriffen.
   Auf dem Rückweg zum Hotel blieb Luzifer vor einer kaum besuchten Schießbude stehen. Aus einem unerklärlichen Grund ging eine starke Anziehungskraft von der Frau aus, die dort arbeitete. Ihre Augen strahlten eine angenehme Wärme aus, nach der er sich sein Leben lang gesehnt hatte. Sie wirkte geheimnisvoll und unerreichbar wie eine Göttin. Die Neugier auf sie wuchs in ihm von Sekunde zu Sekunde.
   Plötzlich fing sein Herzschlag an zu rasen. Ein leichtes Zittern fuhr durch seine Glieder. Seine Wangen glühten, obwohl ihm vor einer Minute kalt gewesen war.
   »Was ist das für ein seltsames Gefühl?«, murmelte er, während er die hübsche Frau ansah. Sie trug eine schwarze Jacke und ein dunkelblaues Strickkleid. Ihre langen, blonden Locken verliehen ihr eine engelsgleiche Schönheit.
   »Möchten Sie ihr Glück versuchen?«, rief die Fremde und streckte Luzifer ein pechschwarzes Gewehr entgegen. »Trauen Sie sich. Kommen Sie ruhig näher.« Sie winkte Luzifer zu sich.
   Er konnte sein Glück kaum fassen. Redete sie tatsächlich mit ihm oder mit jemandem, der zufällig hinter ihm stand? Luzifer drehte sich um. Aber kein Mensch schien auf ihre Einladung zu reagieren. Mit dem Zeigefinger zeigte er auf seine Brust und erkundigte sich auf diese Weise nonverbal, ob die Frau wirklich mit ihm sprach.
   Sie strahlte ihn mit ihren großen, eisblauen Augen an. »Versuchen Sie ihr Glück.«
   Ihr strahlender Blick zwang ihm ein Lächeln ab. Wie sollte er dieser verlockenden Frau etwas abschlagen? Sie könnte ihn darum bitten, sich auf einen riesigen Kaktus zu setzen, er würde es ohne zu Zögern tun und dabei wahrscheinlich sogar wie ein verliebter Trottel lächeln.
   »Ja, gern.« Im Schnellschritt ging er zum Stand und nahm ihr das Gewehr ab. Er legte seinen Finger um den Abzug und visierte sein Ziel an. Seine Hände zitterten. Es fiel ihm schwer, sich in ihrer Gegenwart auf das Schießen zu konzentrieren. Dennoch traf er sechs rote Rosen, ohne einen einzigen Schuss danebengehen zu lassen.
   Die Frau sammelte sie auf. »Bravo. Sechs Volltreffer. Sie sind ein Naturtalent.«
   Er wandte seinen Blick von ihr ab. Es war ungewohnt, von einer Frau ein Kompliment zu bekommen.
   »Sie scheinen wie ich eine Vorliebe für Rosen zu haben«, bemerkte sie. »Keine andere Blume spricht so offensichtlich, wie diese. Sie sagt mehr, als tausend Worte.«Sie überreichte ihm seinen Gewinn. »Das macht fünf Dollar, bitte.«
   Luzifer griff nach den Rosen und holte einen Fünfhundertdollarschein aus seiner Hosentasche, den er ihr entgegenstreckte.
   Sie beugte sich zu ihm, um das Geld zu nehmen.
   Ein stromschlagähnliches Gefühl durchfuhr ihn, als sie seine Hand berührte. Für einen Moment stand die Zeit still. Vor lauter Aufregung ließ er die Plastikblumen auf die Ablage fallen.
   »Die sind für Sie«, stotterte er und verschwand schnell in der dichten Menschenmenge.
   »Hey, Sie bekommen noch Wechselgeld«, rief die Frau ihm hinterher.
   Er drehte sich nicht mehr um und begab sich zum Ausgang. Das Herz schlug ihm bis zum Hals. Sein Gesicht glühte. Seine Nervosität brachte ihn sogar dazu, sämtliche Abfalleimer, Bänke und sonstige Hindernisse, die auf der Straße herumstanden, umzurennen.
   »Mist! Ich glaube, ich habe Fieber. Wo soll ich um diese Uhrzeit einen Arzt finden?«
   Er sah sich um. Zu allem Übel hatte er sich auch noch verlaufen. Es dauerte eine Weile, bis ihm wieder einfiel, in welcher Richtung sein Hotel lag. Der Weg dorthin wurde somit deutlich länger, als eingeplant.
   Er atmete tief ein und aus. Die kühle Abendluft half ihm, den Kopf freizukriegen. Erst nach zwei Stunden begriff er allmählich, was mit ihm los war.
   Er war nicht krank. Anscheinend hatte die Frau in ihm das Herzrasen und Hitzegefühl ausgelöst. Vielleicht war das die sagenumwobene Liebe auf den ersten Blick.
   Auf einmal kamen die verdrängten Erinnerungen an Lilith, seine Verflossene, hoch. Ihr plötzliches Verscheiden hatte Luzifer innerlich zerrissen und die Freude an der Liebe ausgelöscht. Er konnte sich nur vage daran erinnern, wie es sich anfühlte, verliebt zu sein.
   Doch die Begegnung mit der Fremden hatte scheinbar das Eis in ihm gebrochen. Der Gedanke an sie ließ ihn nicht mehr los. Sie entfachte in ihm ein Feuerwerk an Emotionen, das ihm das Gefühl gab, am Leben zu sein. Er musste sie unbedingt wiedersehen.
   Plötzlich drang ein Schluchzen aus der Ecke einer dunklen Seitengasse.
   Seine gute Laune verflog schlagartig. Zwischen den stinkenden Mülltonen eines Restaurants lag der Obdachlose, dem er vor einigen Tagen begegnet war. Der Mann wirkte sehr betrunken. Weinend beschimpfte er eine imaginäre Person. Etwas in seinem Leben musste wohl gewaltig schiefgelaufen sein.
   Luzifer verspürte Mitleid mit ihm, was er sehr ungewöhnlich fand. In seiner Vergangenheit war er nicht gerade jemand, der für sein Mitgefühl bekannt war. Immerhin war er mit Abstand der größte Killer, der von Gott geschaffen wurde. Kein anderes übernatürliches Wesen konnte mit seiner Mordrate mithalten, obwohl es nicht an bösartigem Leben in der Jenseitswelt mangelte.
   Mitleid für die Toten, die auf Anordnung Gottes durch seine Hand starben, empfand er normalerweise nie. Er war felsenfest davon überzeugt, den Menschen Rettung zu bringen, da Gott ihn stets daran erinnerte, wie wichtig es sei, ihnen die Allgegenwärtigkeit des Todes vor Augen zu führen. Nichts festige den christlichen Glauben mehr, als die ständige Angst vor dem Sterben und dem darauffolgenden Nichts.
   Über das Ausmaß der menschlichen Trauer hatte Luzifer nie nachgedacht. Er führte Gottes Aufträge aus, ohne sie zu hinterfragen. Warum sollte er auch? Alles, was der Allmächtige sagte, war richtig. Zumindest hatte Gott ihm das sein Leben lang eingeredet.
   Einer der wenigen Menschen, für die Luzifer jedoch Mitleid empfand, war Balthasar, den er vor langer Zeit zufällig in einer dunklen Gasse getroffen hatte. Niemals würde er vergessen, wie sein armer Diener zusammengekrümmt in einer Ecke saß und zitternd darauf wartete, von einem verärgerten Bauernsohn mit einem dreckigen Apfelmesser verstümmelt zu werden.
   Ihm fielen sofort die Entstellungen in Balthasars Gesicht auf. Er würde sein Leben lang ein Sklave der Zurückweisung bleiben, wie Luzifer, der stets für die Vergebung seiner Sünden kämpfte und dennoch immer das Gefühl hatte, vom Himmel verachtet zu werden. Ihre Makel degradierten sie zu Außenseitern unter ihresgleichen. Und daran würde sich niemals etwas ändern.
   Nach diesem Vorfall hatte er nie wieder Mitleid für einen Menschen verspürt. Doch heute ereilte ihn erneut dieses seltene Gefühl. Es zerrte an Luzifer, wie ein aufgewühlter, ruheloser Geist, der nicht von ihm ablassen würde, ehe er dem armen Mann auf der Straße half.
   Schlussendlich entschied er, ihn mitzunehmen. Luzifer warf ihn sich über die Schulter und ging ins Hotel. In seiner Suite legte er den Mann auf die Couchgarnitur und deckte ihn mit einer warmen Decke zu, damit das Zittern aus seinen unterkühlten Gliedern wich.
   Mit einem guten Gefühl sank er aufs Bett. Kaum hatte er seine Augen geschlossen, schon stand die Fremde aus dem Vergnügungspark vor ihm. Sie kniete lächelnd auf einer duftenden Blumenwiese, während ihr Haar verführerisch im Wind wehte. Es roch nach Rosen und anderen bezaubernden Blumendüften. Ihre luftige Kleidung leuchtete hellblau, wie die unergründliche Tiefe des Himmels. Hinter ihr schien grelles Sonnenlicht, das sie im Glanz einer Liebesgöttin erstrahlen ließ. Sie rief ihn mit ihrer lieblichen Stimme zu sich und öffnete ihre Arme. Voller Sehnsucht streckte er ihr seine Hände entgegen.
   Er seufzte, als er die Augen öffnete und merkte, dass die Frau nicht neben ihm lag. Schnell schloss er sie wieder, um wenigstens in seinen Träumen mit ihr vereint zu sein.

*

Stöhnend fasste sich George am nächsten Morgen an den Kopf, der ihm fürchterlich wehtat. Er warf die Decke zur Seite und richtete sich von der Couch auf. Vor ihm stand ein reichlich gedeckter Tisch, an dem ein fremder Mann saß. Es duftete nach Kaffee und leckerem Gebäck.
   George traute seinen Augen nicht. »Bin ich im Himmel?«, sagte er mit heiserer Stimme.
   Der Mann lachte. »Nein, nur in dem Hotel, das Sie mir vor einigen Tagen empfohlen haben.«
   George erinnerte sich nicht mehr daran, wie er in die Suite gelangt war. Genaugenommen wusste er überhaupt nicht, was er in den vergangenen vier Tagen gemacht hatte. Der Alkohol ließ ihn immer alles vergessen.
   »Wie bin ich hergekommen?« George setzte sich an den Tisch.
   »Ich habe Sie gestern auf der Straße liegen sehen.« Der Mann schenkte zwei Tassen frisch gebrühten Kaffee ein.
   »Na und?« George wunderte sich über die Großzügigkeit seines Gastgebers. Für gewöhnlich gingen die meisten Menschen gleichgültig an ihm vorbei.
   »Sie haben auf mich den Eindruck gemacht, als ob es Ihnen sehr schlecht ginge. Da habe ich Sie einfach mitgenommen.« Vorsichtig schob der Fremde ihm einen heißen Kaffee zu.
   George hasste die distanzierte Höflichkeitsanrede. Es war schon lange her, als er von ihr Gebrauch gemacht hatte. »Hör endlich auf mich zu Siezen, du Depp. Wir sind hier nicht im Buckingham Palace.«
   Der Mann hob beschwichtigend die Handflächen. »Schon gut, wie du meinst. Kein Grund, um gleich persönlich zu werden.«
   »Du bist ein echt komischer Vogel.« George blickte auf das angerichtete Frühstück. Der Duft von frisch gebackenen Croissants ließ den Hunger in ihm erwachen. Sein Bauch fing an zu grummeln.
   »Greif zu.« Der Mann reichte ihm das Blätterteig-Gebäck. George legte sich gleich mehrere Hörnchen auf den Teller. Er schlang alles hinunter, was er in die Finger bekam.
   »Du scheinst aber großen Hunger zu haben.« Der Fremde bestellte ein zusätzliches XXL-Brunch-Buffet für sechs Personen über das Gästetelefon.
   Nachdem George Unmengen von Croissants und anderem Kleingebäck gegessen hatte, legte er sich auf die riesige Couch und strich über seinen vollen Bauch. »So gut habe ich schon lange nicht mehr gefrühstückt. Ich weiß nicht mehr, wann ich überhaupt zum letzten Mal gefrühstückt habe.«
   »Wie heißt du eigentlich?« Der Mann plumpste wie ein Sack Kartoffeln auf das andere Ende der Couch.
   Schlagartig verflog Georges gute Laune. Normalerweise interessierte sich niemand für ihn. »Ich heiße George Johnson.« Seitdem er auf der Straße lebte, gab er sich große Mühe, seine Identität im Alkohol zu ertränken. Hin und wieder tauchte sie auf und ermahnte ihn, mit dem Trinken aufzuhören. Doch er griff erneut zur Flasche und brachte die Vernunft in ihm zum Schweigen.
   Als das Leben für ihn jeglichen Sinn verloren hatte, wurde der Alkohol zum einzigen Freund. Er bot zwar keine Lösung für die Probleme, die ihn seit vielen Jahren plagten. Aber zumindest gerieten sie im Zustand des Vollrausches in Vergessenheit. »Und wie heißt du?«
   »Jake.«
   »Vielen Dank für das königliche Frühstück, Jake. Dann werde ich mich wieder auf die Socken machen.« George erhob sich von der gemütlichen Couch. Zu gern wäre er auf ihr liegen geblieben. Nach fünf Jahren Pflastersteinen unter dem Rücken fühlte sie sich wie ein flauschiges Wolkenbett an.
   »Willst du etwa gehen? Du darfst gern hierbleiben, wenn du möchtest.«
   »Ich muss dem Ruf der Straße folgen.« George dachte an den versteckten Tequila, den er sich gleich hinter die Binde kippen würde, um erneut seinen Frust runterzuspülen.
   »Wie lange bist du schon obdachlos? Wir leben in solch einer fortgeschrittenen Zeit. Wie kann es sein, dass einige Menschen immer noch auf der Straße hausen?«
   George kämpfte mit den Tränen. Zwei einfache Fragen reichten aus, um seine tief sitzende Verzweiflung hochkommen zu lassen. Wie spitze Speere bohrten sie sich in seine Brust.»Scher dich um deinen eigenen Dreck. Hast du nichts Besseres zu tun, als im Leben fremder Leute herumzuschnüffeln?«, rief er und sank weinend zusammen.
   Jake setzte sich zu George auf den Boden. »Kann ich dir irgendwie helfen?«
   »Hau ab!«
   Jake stieß einen Seufzer aus. Er wirkte überfordert.
   Es herrschte ein Moment des Schweigens.
   »Schon seit fünf Jahren lebe ich auf der Straße. Ich war Lehrer an einer angesehenen Schule. Nachdem meine Frau mich verlassen hatte, verfiel ich dem Alkohol und verlor meinen Job. Sie hatte eine Affäre mit meinem besten Freund.« Er versuchte, gegen die Tränen anzukämpfen. Aber sie flossen von allein. »Eines Tages kam ich ahnungslos von der Arbeit nach Hause und freute mich darauf, sie zu sehen. Alles, was ich fand, war nur ein beschissener Abschiedsbrief. Dieses Flittchen ist mit ihm und den Kindern durchgebrannt. Noch am selben Tag hab ich mit dem Trinken angefangen. Ab da ging mein Leben bergab.«
   »Verstehe. Das muss ziemlich hart für dich gewesen sein«
   »Allerdings. Das war es.«
   »Sag mal, was würdest du in der Stadt unternehmen, wenn du ein Millionär wärst?«
   Anscheinend wollte er ihn auf andere Gedanken bringen. »Da wüsste ich so einiges.« George fing sich langsam wieder. Der Gefühlsausbruch wirkte sehr befreiend.
   Jake stand auf und wies zur Tür. »Worauf warten wir dann noch? Lass uns gehen.«
   »Ist das dein Ernst?«
   »Ja klar.«
   Zuerst führte er Jake in ein teures Autogeschäft.
   Der betrachtete mit weit geöffneten Augen die neusten Modelle, die wohl jedes Männerherz zum Jauchzen brachten.
   George fühlte sich wie im Himmel. Er huschte von einem Fahrzeug zum nächsten, bis sein Blick an einem sandfarbenen Landrover mit abgedunkelten Scheiben haften blieb. Die Felgen blitzten wie poliertes Silber in der Sonne. »Geile Karre, findest du nicht?«
   »Die ist echt toll. Ich kauf sie.«
   »Kannst du dir das überhaupt leisten?«, flüsterte George.
   »Es gibt nichts, was ich mir nicht leisten kann.« Jake zuckte die Achseln, als ob er über Nacht zum Millionär geworden wäre.
   Sie suchten den Autohändler und fanden ihn bei den wenigen Ferraris im Geschäft. Seine Blicke klebten an ihnen wie Bienen am Honig. Nach der Barzahlung reichte er Jake die Autoschlüssel.
   George nahm sie ihm ab. »Lass mich den Wagen einweihen.«
   Sie fuhren den ganzen Nachmittag durch die Stadt, bis er Hunger bekam. »Hab Kohldampf. Wollen wir essen gehen? Ich kenne ein nettes Restaurant in der Nähe.« George nutzte Jakes finanzielle Großzügigkeit in vollen Zügen aus, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben.
   »Gern, fahr los.«
   Das ließ er sich nicht zweimal sagen. George drückte aufs Gaspedal und fuhr zum Au bord de la mer, wo sie ein erstklassiges Drei-Gänge-Menü genossen.
   »Das war lecker.« George hatte das Gefühl, an nur einem Tag fünf Kilo zugenommen zu haben. »Weißt du, was mich jetzt noch glücklicher machen würde?«
   »Was?«
   »Ein paar heiße Hühner.« Seit seiner Scheidung hatte George keine Dates mehr gehabt. Das Leben auf der Straße war trist und einsam. Oft verspürte er Sehnsucht nach weiblicher Zuneigung. Aber nach seinem Absturz hatte ihm die Liebe leider den Rücken zugekehrt.
   »Sollen wir ein Geflügelrestaurant aufsuchen?«, fragte Jake.
   George lachte los. »Sag mal, was stimmt eigentlich nicht mit dir, du Freak? Denkst du immer nur ans Fressen? Ich meine Weiber.«
   Jake blickte zur Seite. »Ach so. Von Frauen ist also die Rede.«
   »Ich weiß auch schon, wo wir welche aufreißen werden.«
   Die Zeit der langen Depression war vorbei. George beschloss, sich dem Leben wieder zuzuwenden.
   »Was hast du vor?«, fragte Jake, während er die Rechnung bezahlte.
   »Lass dich überraschen.« Auf dem Weg zum Auto kam George ins Grübeln. Woher hatte sein großzügiger Freund plötzlich die ganze Kohle? Vor drei Tagen war er noch obdachlos. Er konnte sich nicht einmal einen Burger leisten, und heute kaufte er aus heiterem Himmel ein nigelnagelneues Auto. »Sag mal, womit verdienst du eigentlich dein Geld? Du betreibst doch keine illegalen Geschäfte, oder?«
   Jake fasste sich ans Kinn, was George sehr verunsicherte. Wie sollte er sein nachdenkliches Schweigen deuten?
   »Ich kümmere mich lediglich um … Lass mich überlegen … Wie drücke ich es denn am besten aus … Um abtrünnige Seelen.«
   George bekam es mit der Angst zu tun. »Mist, ich habs gewusst. Kein Obdachloser wird über Nacht zum Millionär. Ist alles Blutgeld. Ich weiß nicht, wen du wofür abmurkst, aber lass mich da bitte raus. Ich möchte damit nichts am Hut haben.«
   Jake lächelte. »Keine Sorge, dir droht keine Gefahr. Zumindest nicht, solang du anständig bleibst. Andernfalls kann ich für nichts garantieren.«
   Anständig? Machte der Typ Witze?
   George war auf der Straße verwildert und hatte beinahe vergessen, wie es sich anfühlte, in der zivilisierten Gesellschaft zu leben. In den vergangenen Jahren hatte er sich eine große Klappe wachsen lassen und war bereit, jeden niederzuprügeln, der zwischen ihm und seiner nächsten Mahlzeit stand. Und dieser Kerl faselte was von Anstand? Das war mittlerweile ein Fremdwort für George.
   »Nun schau mich nicht so misstrauisch an. Es ist alles in bester Ordnung.«
   »Na gut, wenn du es sagst. Aber warne mich, wenn mir Gefahr drohen sollte. Ich bin zwar nicht mehr der Jüngste, doch wenn es brenzlig wird, renne ich schneller, als ein junger Gaul.«.
   »Einverstanden.«
   Sie setzten sich ins Auto. George ließ den Motor aufheulen und sauste mit quietschenden Reifen davon.
   »Wohin jetzt?«, erkundigte sich Jake.
   »Wir werden uns gleich im Massagesalon von ein paar heißen Ladys verwöhnen lassen. Danach passen wir uns optisch der gesellschaftlichen Norm an. Kaum zu glauben, dass du bei dem vielen Schotter immer noch wie ein Penner rumläufst.«
   Jake sah auf seine durchlöcherten Ärmel und zuckte mit den Schultern. Ihn schien sein Outfit nicht weiter zu stören.
   George legte jedoch großen Wert darauf, heute Abend gut auszusehen. Schließlich wollte er einen positiven Eindruck bei den Damen im Klub hinterlassen. Er brannte darauf, sich ins städtische Nachtleben zu stürzen. Zum ersten Mal seit fünf Jahren fühlte er sich wie ein lebendiger Mensch, und nicht wie ein räudiger Köter, der allein auf der Straße dahinvegetierte.

*

Nachdem die Friseurin Luzifer eine Kurzhaarfrisur verpasst hatte, war er wie verwandelt.
   »Wenn ich Ihnen einen Rat geben darf, ein attraktiver Mann wie Sie sollte weder einen Bart noch lange Haare tragen. Sie brauchen sich nun wirklich nicht verstecken«, sagte die Friseurin mit einem Zwinkern.
   Er betrachtete sich im Salonspiegel und war zufrieden mit dem Ergebnis. Nachdem der lästige Flausch ab war, sah er endlich sein Gesicht.
   Der Mann, dessen Körper er sich geborgt hatte, war etwa dreißig Jahre alt. Seine leicht gebräunte Haut passte zu seinem kastanienbraunen Haar, das nach dem Waschen im Licht schimmerte. Die Natur hatte ihn mit einer muskulösen, sportlich definierten Statur ausgestattet.
   Aber auch George konnte sich sehen lassen. Er war ein Mann mittleren Alters. Trotz seiner ungesunden Blässe und seines schmächtigen Körperbaus schien er bei den Frauen gut anzukommen. Seine Friseurin notierte ihm ihre Nummer und gab ihm einen Luftkuss mit auf den Weg.
   Lächelnd spazierte er mit Luzifer aus dem Salon. »Ich kann es immer noch. Das Flirten liegt mir im Blut«, sagte er und stolzierte wie ein aufgeplusterter Gockel zum Wagen.
   Luzifer konnte sich das Lachen nicht verkneifen.
   Es folgte ein Einkaufsbummel in einer riesigen Boutique für Männermode. George posierte wie ein Model vor dem Spiegel. Er strotzte nahezu vor neuem Selbstbewusstsein.
   Geschniegelt und gestriegelt bis zu den Zehen führte er Luzifer in die nächstliegende Bar. »Bereit ein paar geile Schnecken zu vernaschen?« George rieb sich gierig die Hände.
   »Ich esse keine Schnecken. Das ist widerlich.«
   George schien seine Äußerung überhört zu haben. Wie hypnotisiert öffnete er die Eingangstür und taumelte einer leicht bekleideten Dame hinterher. Sie blieb bei einem Mann stehen und begrüßte ihn mit einem Kuss auf den Mund. Wie es aussah, war sie bereits vergeben.
   Fluchend ging George weiter.
   Es dauerte eine Weile, bis sie sich zu einem freien Stehtisch durchgezwängt hatten.
   Zwei angetrunkene Frauen stießen zu ihnen.
   »Hey ihr Süßen, wo habt ihr eure Freundinnen gelassen?«, lallte eine von ihnen.
   Mit einem Grinsen im Gesicht legte George seine Arme um die Schultern der Frauen, während er seine Blicke in ihrem Dekolleté vergrub. Er gab sich nicht einmal die Mühe, seine Stilaugen zu tarnen. »Wir Prachtkerle sind noch zu haben. Ihr dürft euch gern zu uns gesellen. Jake, warum holst du den netten Damen nicht etwas zu trinken? Ich passe so lang auf, dass sie nicht verschwinden.«
   Luzifer nickte. Der Gang zur Theke erwies sich als äußerst schwierig. Die Bar platzte aus allen Nähten. Unter Einsatz seiner Ellenbogen kämpfte er sich zum Tresen durch.
   Plötzlich glaubte er, seinen Augen nicht zu trauen. Die Frau aus dem Vergnügungspark stand vor ihm. Sie arbeitete als Barkeeperin. Wie bei ihrer ersten Begegnung kochte das Blut in seinen Adern.
   Lächelnd kam die Fremde auf ihn zu. »Was bekommst du?«
   »Was gibt es hier?«
   »Nur das Übliche. Bier, Whiskey, Wodka, Tequila, Wein, Wasser und jede Menge Cocktails, so ziemlich alles, was dein Herz begehrt.«
   Statt eine Bestellung aufzugeben, erfreute er sich an ihren magischen, kristallblauen Augen. Es fiel ihm schwer, sich von ihnen loszureißen.
   »Also? Was bekommst du?«
   »Cocktails hätte ich gern«, platzte es wie ein Geschoss aus Luzifer heraus. Die Hitze stieg ihm ins Gesicht. Er wandte seinen Blick von ihr ab. Es war ihm peinlich, die Frau wie ein Besessener angestarrt zu haben.
   Sie beugte sich über die Theke. »Welche und wie viele?«
   Ein lieblicher Duft wehte ihm in die Nase. Ihr verführerisches Parfum raubte ihm den Verstand.
   »Zehn Cocktails, egal welche.« Selbst wenn sie ihm Putzwasser in die Gläser füllte, er würde sie alle leer trinken, als wäre es der teuerste Champagner der Welt.
   Sie mixte die Cocktails und stellte die fertigen Getränke auf ein Tablett.
   Luzifer musste diese einmalige Gelegenheit nutzen, um seiner Angebeteten näherzukommen. Er wusste nicht, ob er noch mal das Glück haben würde, ihr zu begegnen.
   Ein Hauch von Verzweiflung machte sich in ihm breit. Er hatte keine Ahnung, wie er sie ansprechen sollte. Zudem stieg seine Nervosität ins Unermessliche. Ihm war, als würde sie ihn lähmen, wie ein tückischer Schlangenbiss.
   »Arbeiten Sie schon lange hier?«
   »Seit ungefähr einem Jahr.« Sie füllte Eiswürfel in einen silbernen Behälter.
   »Darf ich Ihren Namen erfahren?« Luzifer rechnete mit einer Abfuhr. Aber die Hoffnung starb bekanntlich zuletzt.
   »Aber nur, wenn du aufhörst, mich zu siezen. So alt bin ich doch noch gar nicht.« Sie schenkte ihm ein strahlendes Lächeln.
   »Verzeihung, ich wollte dich nicht beleidigen.« Die traditionelle Höflichkeitsform schien hier wohl fehl am Platz zu sein.
   »Schon gut. Ich heiße Angelina.«
   Luzifer wäre am liebsten in die Luft gesprungen. Er hielt sich gerade noch zurück.»Ich heiße Jake. Freut mich sehr, dich kennenzulernen.« Er streckte ihr die Hand entgegen. Aber Angelina schenkte ihm lediglich ein flüchtiges Nicken und widmete sich ihrer Arbeit.
   Er überlegte, wie er das Gespräch fortsetzen sollte. »Das sieht sehr professionell aus, wie du die Getränke schüttelst. Ich wünschte, ich könnte das auch so gut wie du. Dann wäre ich nicht auf Bars angewiesen und würde mir abends meine Cocktails vor dem Fernseher mixen«, stotterte Luzifer.
   Was redete er da für einen Blödsinn? Jetzt hielt sie ihn bestimmt für einen Alkoholiker. Er hatte alles verbockt.

*

Angelina verkniff sich das Lachen, um Jake nicht zu kränken. Sie war eher daran gewöhnt, Komplimente wegen ihres Aussehens zu bekommen, und weniger wegen der Art, wie sie die Cocktails zubereitete.
   Aus purer Neugier sah sie in Jakes Augen, um in ihnen etwas über seine Persönlichkeit zu lesen. Er wandte verlegen seinen Blick ab. Seine Hände zitterten ein wenig. Anscheinend machte ihn ihre Gegenwart nervös.
   Er wirkte nicht aufgesetzt, wie viele andere Männer, die sie mit ihrem falschen Charme rumkriegen wollten. Jake strahlte Ehrlichkeit und natürliche Wärme aus. Das machte ihn äußerst sympathisch. »Vielleicht kann ich dir bei Gelegenheit zeigen, wie man leckere Cocktails mixt.« Sie hatte nichts gegen einen harmlosen Flirt einzuwenden.
   Plötzlich tauchte Rodney, der Barbesitzer, an der Theke auf. »Ein bisschen schneller da! Wofür bezahle ich dich überhaupt?«, fuhr er Angelina an.
   Sie warf ihr Handtuch zur Seite. »Herrgott, Rodney, ich tue, was ich kann.« Seine launische Art trieb sie manchmal zur Weißglut. Immer hatte dieser Stinkstiefel etwas auszusetzen. Er machte sein Personal nur runter, um im Mittelpunkt zu stehen.
   »Du hast ein viel zu großes Mundwerk. Jeder andere hätte dich längst rausgeschmissen.«
   Jeder andere hätte längst gekündigt und ihn wegen Belästigung am Arbeitsplatz angezeigt. Sie behielt ihre Gedanken für sich, um die Diskussion nicht weiter einzuheizen.
   »Ich glaube, es ist besser, wenn wir uns nach Ladenschluss unterhalten, falls du bis dahin noch hier sein solltest. Die Getränke gehen aufs Haus.« Sie reichte Jake das Tablett mit den bunten Cocktails.
   Jake sah Rodney mit gerunzelter Stirn an. »Ich werde auf dich warten, Angelina«, sagte er und ging zurück zum Stehtisch.

*

Während George sich prächtig mit den angetrunkenen Frauen zu amüsieren schien, blickte Luzifer ständig auf die Uhr. Er trommelte mit den Fingern auf der Tischplatte und wunderte sich, wie langsam die Stunden vergingen, wenn man auf jemanden wartete.
   Gegen vier Uhr war es schließlich soweit. Die Musik verstummte. Bis auf Luzifer, George und den beiden Frauen waren alle Gäste gegangen.
   »Der Laden schließt«, nuschelte George mit schielendem Blick und drückte die Damen an sich. »Kommt mit, ihr Hübschen. Ich fahre euch in meinem schicken Landrover in ein Luxushotel. Dort steigt die nächste Party.« Er taumelte in Schlangenlinien zum Ausgang. »Kommst du nicht mit, Jake?.«
   Luzifer rührte sich nicht von der Stelle. Seit geschlagenen sieben Stunden wartete er am Stehtisch auf Angelina, die gerade die letzten Gläser polierte. Um nichts in der Welt würde er ohne sie die Bar verlassen. »Geh ruhig vor. Ich komme gleich nach.«
   Rodney musterte Luzifer mit einem verkniffenen Gesichtsausdruck und holte ein paar Scheine aus der Kasse. »Wer ist dieser Armleuchter am Stehtisch? Ist das dein neuer Lover?«, hörte Luzifer ihn fragen.
   »Nein, das ist nur ein Freund.«
   Rodney packte sie am Arm. »Stehst du etwa auf ihn?«
   Angelina befreite sich aus seinem Griff. »Und wenn schon? Ich wüsste nicht, was dich das angeht.«
   »Was hat er, was ich nicht habe?«
   Sie verdrehte die Augen. »Oje, jetzt geht das schon wieder los.«
   »Setz nicht immer diesen verachtenden Blick auf. Damit gibst du mir das Gefühl, nicht gut genug für dich zu sein.«
   Sie kommentierte das nicht weiter, sondern streckte ihre Hand nach dem Geld aus.
   Rodney strich ihr über die blonde Lockenmähne. »An deiner Stelle wäre ich nicht so abweisend. Es muss sicherlich schwer sein, sich mit lauter kleinen Nebenjobs über Wasser halten zu müssen. Ich kann dir einen kleinen Zuschlag zahlen, wenn du etwas netter zu mir bist …«
   Er gab Angelina ihren Lohn und fasste ihr an den Po. Wie ein Hund, der sein Revier markierte, schien er Luzifer zeigen zu wollen, dass sie nur ihm gehörte.
   Sie schubste ihn weg. »Ich habe dir schon mehrmals gesagt, dass du das lassen sollst. Wenn du unbedingt eine Frau kaufen möchtest, dann geh ins Bordell!«
   Luzifer krallte sich vor Wut am Tisch fest. Er hatte das Gefühl, jeden Moment zu explodieren.
   »Weißt du was, du bist gefeuert. Hau ab. Und nimm deinen dämlich gaffenden Freund gleich mit. Kaum zu glauben, was man sich hier alles von seinem Personal gefallen lassen muss.« Rodney stieß Angelina zur Seite, dass sie beinahe gefallen wäre.
   Sie verschränkte ihre Arme und trat mit erhobenem Kinn einen Schritt auf ihn zu. »Du bist daran gewöhnt, andere wie den letzten Dreck zu behandeln. Übergriffe und Beleidigungen stehen bei dir an der Tagesordnung. Das ist der Grund, weshalb ich dich verachte und keine Frau es länger als drei Tage mit dir aushält«, geigte Angelina ihm zum Schluss ihre Meinung, woraufhin er sie aufforderte, die Bar zu verlassen.
   »Mit Vergnügen.« Sie griff nach ihrer Handtasche und ging zu Luzifer. »Mach dir nicht die Finger an ihm schmutzig. Er ist es nicht wert.«
   Ganz gleich, was sie ihm in diesem Moment gesagt hätte, er würde nicht gehen, ohne Rodney eine Lektion erteilt zu haben. Er bat Angelina, draußen zu warten.
   Sie begriff wohl, dass es keinen Sinn machte, auf ihn einzureden und ging hinaus.
   »Lang keine mehr aufs Maul gekriegt, was? Ich mach dich fertig«, drohte ihm Rodney. Er warf seinen Blazer auf einen Stehtisch und nahm die Kampfstellung eines Boxers ein.
   Luzifer ließ sich davon nicht beeindrucken. Im Gegenteil. Er fand, dass der Kerl lächerlich aussah.
   Rodney griff ihn an. Luzifer wich seinem Schlag aus. Ohne den Gebrauch seiner übernatürlichen Kräfte warf er Rodney im hohen Bogen über einen Tisch.
   Jammernd lag er auf dem Boden. Luzifer beugte sich über ihn, um ihm seine Überlegenheit zu demonstrieren. »Ich würde dir zu gern Manieren einprügeln. Doch zu deinem Glück wartet vor der Tür eine wunderschöne Frau auf mich. Damit du keine Langeweile heute Nacht bekommst, wirst du dir für jede ausgesprochene Beleidigung eine Ohrfeige verpassen, und für jeden Übergriff rennst du einmal gegen die Wand.« Um seinen Worten Wirkung zu verleihen, legte Luzifer Rodney die Hand auf die Stirn. Aus einem unerklärlichen Grund widersetzten sich manche Menschen seinen manipulativen Kräften. Er hoffte, dass es bei Rodney nicht der Fall war. Er wollte Angelina nicht länger draußen stehen lassen. Dafür war sie ihm zu wichtig.
   Rodney stieß seinen Arm weg. »Nimm deine Drecksflosse aus meinem Gesicht, oder willst du mich durch Handauflegen umbringen?«
   Luzifer verschärfte seine Strafe. »Ich korrigiere. Du wirst dir fünf Ohrfeigen für jede Beleidigung verpassen, und für jeden Übergriff rennst du fünfmal gegen die Wand. Sobald ich die Bar verlasse, fängst du damit an. Viel Spaß dabei.«
   Er klopfte Rodney auf die Schulter und begab sich zum Ausgang.
   »Hau bloß ab, du Feigling. Weshalb sollte ich mir freiwillig Schmerzen zufügen?«
   Luzifer drückte den Türgriff und drehte sich noch einmal um. »Und nicht vergessen. Schön Anlauf nehmen, damit es viele blaue Flecken gibt. Sie sollen dich daran erinnern, wie wichtig gute Manieren sind und dass ich jederzeit wiederkommen kann, um sie dir einzubläuen.«
   Rodney hob den Mittelfinger. »Zieh Leine und lass dich einweisen, du Psycho.« Er lachte los.
   Nachdem Luzifer die Tür geschlossen hatte, verstummte sein Lachen abrupt. Er spähte durch ein kleines, verschmiertes Fenster in die Bar, um zu sehen, ob seine Kräfte bei Rodney Wirkung zeigten.
   »Das wird mit Sicherheit die längste Nacht seines Lebens«, murmelte er und ging mit einem guten Gefühl zu Angelina, die bereits mit George und den beiden Frauen auf ihn wartete.
   »Na, endlich. Da bist du ja.« Wie ein besoffener Gentleman hielt George die Autotür offen und forderte die Damen zum Einsteigen auf. Die beiden Frauen setzten sich auf den Rücksitz.
   Angelina zögerte.
   »Möchtest du nicht mitkommen?«, fragte Luzifer.
   Sie presste die Lippen aufeinander und blickte zu George, der gerade am Steuer ein Lied anstimmte.
   »Das klingt zwar alles sehr verlockend … Aber ich denke, ich sollte lieber nach Hause gehen. Ich bin müde. Außerdem hat mir Rodney gehörig die Laune verdorben.«
   Unzufriedenheit machte sich in ihm breit. Er hatte die ganze Nacht auf sie gewartet und fühlte sich von Angelina abgelehnt.
   »Aber wenn du Lust hast, kannst du mich gern ein Stück begleiten«, sagte sie und lächelte.
   »Ja«, platze es aus ihm heraus. »Es ist immerhin schon sehr spät und man weiß nie, wer nachts sein Unwesen treibt.«
   »Solange ich mir keine Sorgen machen muss, dass du derjenige bist, der nachts sein Unwesen treibt, ist alles in bester Ordnung.«
   »Ich bin einer von den Guten«, versicherte ihr Luzifer.
   »Das hab ich mir schon gedacht.«
   Wenn sie nur wüsste, wer er wirklich war. An keinem anderen Lebewesen klebte so viel Blut, wie an dem Vollstrecker der göttlichen Gerechtigkeit. Ausgerechnet ihm schien sie zu vertrauen.
   »Ihr könnt ohne mich die Party starten«, teilte er George mit und folgte Angelina die dunkle Straße entlang.
   Die Nacht war kühl und neblig. Ein leichter Nieselregen fiel vom Himmel.
   Angelina schloss ihre schwarze, taillierte Jacke und verschränkte beide Arme vor ihrem Körper. »Es ist zwar nur ein kurzes Stück bis zu meiner Haustür, aber ich bin froh, dich hier zu haben. Seit der unerfreulichen Begegnung mit einem maskierten Exhibitionisten hasse ich es, nachts allein nach Hause gehen zu müssen.«
   »Hat er dir etwas angetan?« Der bloße Gedanke daran, wie jemand ihr Schmerzen zufügte, war für Luzifer unerträglich.
   »Er mir?«, sie lachte, »er kann froh sein, dass er noch lebt. Obwohl er mir einen ziemlichen Schrecken eingejagt hatte, behielt ich, zum Glück, die Fassung.«
   »Zum Glück?«
   »Ich hätte nur ein schlechtes Gewissen gehabt. Solche Menschen gehören meiner Meinung nach in Therapie, und nicht gleich ins Grab.«
   »Sie gehören auf meinen Rost …«, sagte Luzifer leise.
   »Wie bitte? Ich hab dich nicht verstanden.«
   »Ach nichts … Ich meinte nur, du hast recht.«
   »Was hast du eigentlich mit Rodney gemacht? Du hast die Bar schnell verlassen.«
   »Ich habe ihm nur eine kleine Abreibung verpasst. Er ist zu weit gegangen.« Er war immer noch verärgert über Rodneys Benehmen ihr gegenüber.
   »Die war längst überfällig. Aber bislang hat sich niemand getraut, ihm seine Grenzen aufzuzeigen. Ich betrachte es nicht als selbstverständlich, dass jemand eine fremde Frau in Schutz nimmt. Zivilcourage ist eine vielfach geforderte Tugend, die nicht jeder besitzt. Aber du bist anders.«
   Ihre Augen funkelten im Licht der Straßenlaternen.
   Er schien ihr zu imponieren. »Rodney gehört zu den Männern, die am Adamskomplex leiden. Ich kann solche Typen nicht ausstehen«, sagte Luzifer, der seit je her einen Hass gegen Adam hegte. Er hatte ihm nie verziehen, dass er seiner ersten großen Liebe, Lilith, Gewalt so zugefügt hatte. Rodney hatte mit seinem Verhalten die Erinnerung an ihn wieder aufgefrischt.
   »Männer mit Adamskomplex?« Angelina schenkte ihm einen verdutzten Blick.
   Schlagartig verflüchtigte sich Luzifers gute Laune. Rasende Wut kroch in ihm empor. Er versuchte, sie im Zaun zu halten. Schließlich wollte er auf keinen Fall den Eindruck eines irren Cholerikers erwecken. »Das ist meine Bezeichnung für Männer, die innerlich so verweichlicht sind, dass sie sogar wehrlose Frauen verprügeln, um von eigenen Schwächen abzulenken.« Er atmete tief ein und aus, um sich zu beruhigen. »Der Adamskomplex geht auf den missratenen Ursprung der männlichen Schöpfung zurück, auf Adam, wobei ich nicht sagen möchte, dass wir modernen Männer, uns nicht genauso gut entwickelt hätten, wie unser weiblicher Gegenpart. Es gibt nur einige schwarze Schafe unter uns, wie man unschwer an Rodney erkennen kann. Er trägt Adams Erbe in sich. Wenn er dir noch mal etwas antun sollte, dann lass es mich wissen.«
   Luzifer war ihm nie persönlich begegnet. Doch das, was er über ihn wusste, genügte, um ihn in Rage zu versetzen. Die Bestrafung eines Mannes, der Adam in seinen Charakterzügen glich, war eine kleine, wenn auch nicht zufriedenstellende Genugtuung für ihn.
   »Scheinst nicht sehr viel von Adam zu halten«, sagte Angelina.
   »Nein, meiner Meinung nach war er ein totaler Versager, weil er sich der anmutigen Lilith nicht gewachsen fühlte und ihr deshalb viel Leid zugefügt hatte. Sie war eine wunderbare Frau …«, schwärmte Luzifer. Er hatte Lilith zu ihren Lebzeiten angehimmelt. »Adam war zu schwach, um Lilith gehen zu lassen, und nicht stark genug, um ihren Ansprüchen gerecht zu werden.«
   »Wer war Lilith? Ich habe diesen Namen nie zuvor im Zusammenhang der Schöpfungsgeschichte gehört.«
   »Verzeihung, ich vergaß. Die Geschichte von ihr und Adam wird selten erzählt. Es gibt alte Schriften, die von der Existenz einer gewissen Frau namens Lilith berichten. Aber diese wurden selbstverständlich nicht in die Bibel aufgenommen. Wie sollte es auch anders sein? Schließlich werfen sie nur ein schlechtes Licht auf die missratene Schöpfung Adams, die ebenso auf die Unvollkommenheit des Schöpfers schließen lässt.«
   Luzifer beschloss, Angelina die ganze Wahrheit zu erzählen. Es wurde Zeit, mit den Lügen aufzuräumen, die in der Bibel standen. »Lilith war die erste Frau Adams und nicht etwa Eva, wie häufig angenommen wird. Sie entstammt nicht Adams Rippe wie Eva. Gott schuf Lilith und Adam gleichzeitig. Demnach waren sie einander gleichgestellt. Lilith war eine kluge Frau, weitaus klüger als Adam und Eva zusammen. Für sie war nichts selbstverständlich. Sie hatte alles kritisch hinterfragt, auch Gottes Aussagen. Sie wurde sogar von ihm persönlich unterrichtet, weil sie im Gegensatz zu Adam Interesse an der Welt zeigte. Lilith hätte sich niemals von einer Schlange verführen lassen, weil sie zu viel Verstand besaß.«
   Ein Funken Sehnsucht flackerte in seinem Inneren auf. Manchmal blickte er auf die Zeit mit Lilith zurück und wünschte sich, sie könnte von den Toten auferstehen.
   »Adam kam jedoch nicht mit ihrer geistigen Überlegenheit zurecht. Er bekam Komplexe. Deshalb versuchte er, sie sich mit allen erdenklichen Mitteln untertan zu machen und schreckte sogar vor Gewalt nicht zurück, obwohl sie nichts dafürkonnte, dass sie so war, wie sie war. Schließlich wurde sie von Gott geschaffen.«
   Wie sehr hatte sich Luzifer damals gewünscht, an Adams Stelle sein zu können. Alles hätte er dafür gegeben, als Mensch an Liliths Seite leben zu dürfen. Aber Gott hatte Adam als Lebensgefährten für sie erwählt. Luzifer hatte ihn lang darum beneidet. Er hätte einen viel besseren Gatten für sie abgegeben. Es wäre niemals zu einem Sündenfall gekommen, wenn Luzifer an Adams Stelle mit Lilith im paradiesischen Garten Eden gelebt hätte.
   »Wie ging die Geschichte weiter?«, fragte Angelina.
   »Irgendwann hatte Lilith Adam satt. Sie verließ ihn. Während sie von vielen Dämonen umgarnt wurde und später ebenso vom Teufel, hat sich Adam, wie ein kleiner unbeholfener Junge bei Gott ausgeweint, anstatt wie ein erwachsener Mann um ihre Zuneigung zu kämpfen.
   Gott bat Lilith, zu ihm zurückzukehren. Da sie sich der dunklen Seite angeschlossen hatte, schuf Gott eine zweite Frau aus Adams Rippe. Das war die Geburtsstunde von Eva. Mit ihr hatte er weniger Schwierigkeiten. Eva hatte den IQ eines Pantoffels und war von Natur aus unterwürfig. Sie gehorchte allem und jedem, auch der Schlange.«
   »Wenn der Teufel jemals existierte, dann war es für ihn bestimmt leichter, Eva für die verbotene Frucht zu begeistern, als Lilith«, sagte Angelina.
   »Der Teufel existiert.«
   Angelina zog die Augenbrauen hoch. »Wie kannst du dir da so sicher sein?«
   »Ich weiß es einfach. Allerdings war es nicht der Teufel, der Eva zum Sündenfall verführt hat. Zu dem Zeitpunkt war er noch der Lieblingsengel Gottes. Erst nach dem Sündenfall regierte er in der Hölle. Lilith hatte sich in die Schlange und den Baum der Erkenntnis verwandelt, um Eva einen Gefallen zu tun. Sie wollte sie damit aufrütteln und ihr das Wissen schenken, über das sie bereits verfügte.«
   »Seltsam. Ich habe immer gedacht, dass der Teufel Eva zum Sündenfall verführt hätte. Zumindest wird das im Religionsunterricht gelehrt.«
   »Das ist ein weitverbreiteter Irrtum«, sagte Luzifer. Die Lehrer vertraten eine verzerrte, einseitige Sichtweise, die ihn stets als die Wurzel allen Übels darstellte.
   »Lilith muss wohl eine sehr interessante Frau gewesen sein, wenn sie sogar von dem Höllenfürsten umgarnt wurde. Was berichten die alten Schriften über die beiden? Waren sie ein Paar?« Angelina grinste. Anscheinend hatte das Thema ihre Neugier geweckt. »Wenn ich ehrlich bin, interessierte ich mich überhaupt nicht für theologische Schriftzeugnisse. Aber du schaffst es tatsächlich, mich mit deinem außergewöhnlichen Erzählstil in den Bann zu ziehen. Ich finde es faszinierend, wie authentisch du die Ereignisse wiedergibst, als hättest du alles miterlebt.«
   Luzifer fühlte sich ertappt. »Wenn man sich über Jahre hinweg intensiv mit einem historischen Thema auseinandersetzt, fühlt man sich irgendwann wie ein Zeitzeuge. Möglicherweise ist das der Grund dafür, weshalb ich authentisch darüber berichten kann.«
   Angelina nickte. »Schon möglich.«
   »Um auf deine Frage zurückzukommen, ob der Teufel und Lilith ein Paar waren … Ja, sie waren es. Er verfiel ihr kurz nach seiner Verbannung. Sie hatte sich nach den ganzen Rückschlägen mit Adam den Dämonen angeschlossen und führte eine innige Beziehung mit dem Teufel. Leider war sie nicht unsterblich.«
   Als Luzifer Lilith auf der Erde begegnet war, blieben ihr nur noch wenige Jahre zu leben. »Die Dämonen erhielten ihre Jugend und verhalfen ihr zu einem längeren Leben. Sie wurde viel älter als Adam. Doch eines Tages erlosch ihr Lebenslicht … einfach so.« Luzifer kämpfte mit den Tränen. Ihr plötzlicher Tod hatte eine Leere in ihm hinterlassen.
   »Der Teufel muss Adam sehr verabscheut haben«, sagte Angelina.
   »Und wie er Adam verabscheute.« Nachdem die Trauer für eine Minute die Oberhand über Luzifer gewonnen hatte, flammte erneut die Wut in ihm auf. Er versuchte, sie zu unterdrücken. Aber es ging nicht. »Der Teufel hätte diesem Schweinehund mit Sicherheit den Kopf abgerissen und ihn den Dämonen zum Fraß vorgeworfen. Aber Adam war bereits verstorben, als der Teufel anfing, in der Hölle zu herrschen.«
   »Du offenbarst mir ganz neue Sichtweisen auf die Schöpfungsgeschichte.«
   Wenigstens wusste nun eine Person, was sich damals wirklich abgespielt hatte. »Viele wichtige Ereignisse wurden schlichtweg in der Bibel ausgelassen, obwohl alte Schriften über sie berichten. Sie erschienen wohl einigen Menschen inakzeptabel«, sagte Luzifer. »In der Heiligen Schrift blieb ebenso erwähnt, dass Gott die Dämonen, denen Lilith sich anschloss, versehentlich erschaffen hatte. Ursprünglich waren sie Naturgeister, die die Aufgabe hatten, Adam und Lilith in allen Lebenslagen zu unterstützen. Daraus wurde nichts. Wie Lilith und der einstige Lichtbringer, Luzifer, gingen die Naturgeister ihren eigenen Weg.«
   »Aber weshalb sollte man die wichtigen Ereignisse einfach auslassen wollen?« Angelina neigte leicht ihren Kopf zur Seite. Sie wirkte skeptisch.
   »Wahrscheinlich wollen viele gläubige Menschen nicht wahrhaben, dass selbst Gott Fehler begeht. Dabei ist es mehr als offensichtlich. Denn der unvollkommene Mensch wurde nach seinem Ebenbild erschaffen. Der Allmächtige ist längst nicht so perfekt, wie alle glauben, und der Teufel nicht so schwarz, wie er gemalt wird.« Luzifer wartete gespannt auf Angelinas Reaktion. Gehörte sie zu denjenigen, die kein schlechtes Wort auf Gott kommen ließen?
   »Du scheinst dich sehr gut mit alten Schriftzeugnissen auszukennen. Was machst du beruflich, wenn ich fragen darf?«, wechselte Angelina das Thema.
   Luzifer musste sich schnell eine Notlüge einfallen lassen. Er konnte unmöglich seine wahre Identität preisgeben. »Ich bin Historiker und schreibe momentan an einer Forschungsarbeit über Lilith und die Schöpfungsgeschichte.«
   »Das erklärt natürlich alles. Ich dachte schon, du wärst ein verrückter Sektenanhänger, von dem ich mich lieber fernhalten sollte.«
   Angelina atmete hörbar auf.
   »Nein, bestimmt nicht. Nimmst du mir meine abschätzigen Bemerkungen über Adam nicht übel?«
   Angelina zuckte mit den Schultern. »Ich tendiere zum Atheismus. Deshalb finde ich es nicht schlimm, wenn sich jemand kritisch über biblische Figuren und christliche Dogmen äußert. Bei der Betrachtung des ganzen Übels, das täglich in der Welt geschieht, fällt es mir schwer, an Gott zu glauben. Wer kann schon mit Sicherheit sagen, dass die Bibel nicht nur auf dem Hirngespinst einiger Verrückter basiert, die aufgrund ihrer Schizophrenie oder des Rauschgiftkonsums vermeintliche Botschaften von Gott empfingen?«
   Es amüsierte Luzifer, das zu hören. »Gute Einstellung.«
   Zum Glück war Angelina keine strenge Christin.

*

Nach einem fünfzehnminütigen Fußmarsch stand Angelina mit Jake vor einem alten Gebäude mit hohen Räumen, in denen hauptsächlich Studenten untergebracht waren. Die Wohnungen waren nicht gerade für den besten Komfort bekannt, aber dafür waren sie preiswert.
   »Hier wohne ich«, sagte sie.
   Jake blickte auf die schäbige, schwarze Eingangstür.
   Die Zeit verging mit ihm wie im Flug. Es kam ihr vor, als hätten sie erst zwei Minuten miteinander gesprochen. Sie wollte unbedingt mehr über ihn erfahren und lud ihn auf ein Getränk zu sich ein.
   Jake nahm dankend ihre Einladung an.
   Angelina wühlte in ihrer Handtasche nach dem Hausschlüssel. Es dauerte immer eine Weile, bis sie ihn fand. In Momenten wie diesen wünschte sie sich oft eine eingebaute Suchfunktion. Es grenzte nahezu an ein Wunder, wie manche Diebe gleich beim ersten Griff das Portemonnaie fanden.
   Das Einzige, was sie auf Anhieb fand, war ihre Magnum. Sie drehte Jake den Rücken zu, damit er ihre Knarre nicht zu sehen bekam. Es war schließlich kein Geheimnis, dass Waffen abschreckend wirkten. Sie waren der Inbegriff der Intoleranz, Unterdrückung und des Hasses. Am liebsten würde Angelina auf ihren Gebrauch verzichten. Aber sie führte ein gefährliches Leben, das sie sich nicht ausgesucht hatte.
   Angelina führte Jake ins kleine, geräumige Wohnzimmer und holte einen Whiskey aus ihrer Vitrine. Sie schenkte ihrem Gast und sich ein Glas davon ein.
   Der Alkohol brannte warm in der Kehle. Es gab nichts Besseres zum Entspannen als ein Whiskey auf der Couch.
   Auch Jake schien sich wohlzufühlen. Er lachte mehr und überhäufte sie mit Komplimenten.
   Sie unterhielten sich, bis am Morgen die ersten Sonnenstrahlen ans Fenster klopften. Gähnend fuhr sich Angelina über die schweren Augenlider.
   »Ich sollte mich auf den Weg zu meinem Hotel machen, bevor ich dir auf die Nerven gehe. Du siehst ziemlich müde aus.« Jake erhob sich von der Couch und zog seine Jacke an.
   Angelina war sehr von ihm angetan. Gern hätte sie ihm einen Schlafplatz angeboten. Aber dafür kannte sie ihn noch zu wenig. »Ich begleite dich hinaus.«
   Mit langsamen Schritten folgte ihr Jake in den Flur. Er blieb vor der Tür stehen und tätschelte Angelina am Unterarm, als ob er ihr etwas zu sagen hätte. »Hast du Lust, mit mir nächsten Freitag ins ‚El Choclo’ zu gehen.«
   Angelina kannte das Tango-Restaurant aus den Erzählungen ihrer Arbeitskolleginnen, die regelrecht davon schwärmten. Sie wollte schon seit Langem dort die Tanzfläche stürmen. Aber bislang hatte sich kein Partner gefunden.
   »Tagsüber arbeite ich im Vergnügungspark, aber abends habe ich nichts vor.«
   Dank ihrer Kündigung in der Bar blieb ihr jetzt deutlich mehr Freizeit. Vielleicht war der Rauswurf das Beste, was ihr im Augenblick hatte passieren können, auch wenn sie auf den zusätzlichen Lohn verzichten musste. Wer rund um die Uhr arbeitete, existierte zwar, lebte aber nicht. Die Sache mit Jake könnte der Beginn eines glücklichen Wendepunkts in ihrer trostlosen Realität sein, für den es sich lohnte, alles andere stehen und liegen zu lassen.
   Ein Lächeln bildete sich auf seinen Lippen. »Passt es dir, wenn ich dich um 19 Uhr abhole?«
   Angelina nickte. Voller Vorfreude auf ihr anstehendes Date, verabschiedete sie sich mit einer Umarmung von ihm und ging mit einem guten Gefühl zu Bett.

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